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Lexikon
der Aquakulturtechnik
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Transgene Fische
Weltweit werden pro Jahr etwa 80 Mio. Tonnen
Fisch gefangen, weitere 40 Mio. Tonnen werden in
Fischzuchten (Aquakulturen) produziert. Dabei ist man
bemüht, die Fische an die spezifischen Haltungsbedingungen
in Fischzuchten anzupassen: schnelleres Wachstum, bessere
Futterverwertung, Krankheitsresistenz. An den bisherigen
Zuchtzielen ändert sich durch die Gentechnik wenig. Die
Gentechnik beschleunigt die Zuchtarbeit und ermöglicht das
Einschleusen von artfremden Genen.
Fische haben gegenüber Säugetieren einige
Vorteile bei der gentechnischen Bearbeitung: die Befruchtung
der Eier und die Entwicklung der Embryonen findet nämlich
nicht im Mutterleib sondern am Gewässergrund statt. Die Eier
müssen also nicht aufwändig entnommen, bearbeitet und dann
wieder ins Muttertier eingesetzt werden. Außerdem steht eine
große Menge an Eiern zur Verfügung; mehrere Experimente
können parallel durchgeführt werden. Bisher sind
hauptsächlich der atlantische Lachs, die Forelle und der
Karpfen gentechnisch verändert worden.
Zuchtziele:
-
Schnelleres Wachstum und größere Fische
durch Übertragung eines Wachstumshormons.
-
Kältetoleranz durch Einschleusen eines "Antifreeze
Proteins AFP" der Flunder.
-
Krankheitsresistenz
-
Sterilität, um die Auskreuzung in
bestehende Wildpopulationen zu verhindern.
-
Leuchtende Zebrafische für Aquarienhalter
sind die ersten zugelassenen gentechnisch veränderten
Fische. Bisher gibt es außer dem Zebrafisch weltweit
keine Zulassungen, obwohl manche Fische bereits
Marktreife erlangt haben.
Eine amerikanische Firma (A/F Protein) hat in
Kanada (Aqua Bounty Farms) bereits einen marktreifen
transgenen Lachs produziert, dem das AFP-Protein übertragen
wurde und der gleichzeitig eine Überproduktion des
Wachstumshormons zeigt. Er wächst vier bis sechs mal
schneller als seine natürlichen Artgenossen. Seit 1999
wartet die Firma auf eine Zulassung des Lachses durch die
amerikanische Lebensmittelbehörde FDA. Doch je länger das
Verfahren dauert, desto größer wird der Widerstand. Man
befürchtet Umweltrisiken durch Auskreuzung der Gene auf den
Wildlachs. Computersimulationen haben einen sog.
"Trojanischen Gen-Effekt" gezeigt. Falls ein Gen einerseits
die Fortpflanzungsfähigkeit erhöht (größerer Fisch),
andererseits aber seine Überlebensfähigkeit beeinträchtigt
(beispielsweise langsamer bei der Flucht vor Feinden), kann
ein Bestand aussterben. Weitere Bedenken gelten den immer
wieder auftretenden Wucherungen und Missbildungen. Nicht
zuletzt würde eine weitere Steigerung der Lachsproduktion
die Preise noch weiter unter Druck setzen.
Wie bereits erwähnt ist der Zebrafisch der
einzige zugelassene gentechnisch veränderte Fisch.
Ursprünglich wurden Leuchtfische in Singapur entwickelt, um
Umweltverschmutzungen in Gewässern zu ermitteln. Der Fisch
hat sich nur dann verfärbt, wenn Giftstoffe im Wasser waren.
In Taiwan wurde Mitte 2003 ein fluoreszierender
Aquarienfisch Night Perl auf den Markt gebracht, der ein
Gen einer Qualle enthält. Seit Anfang 2004 gibt es in den
USA den sog. GloFish der Firma Yorktown Technologies zu
kaufen, der ein Gen der Seekoralle bzw. Anemone enthält und
bei Lichteinfall rot leuchtet. Organisationen, Verbände und
Interessengruppen haben aber heftig protestiert und sogar
die Regierung verklagt, um den Verkauf des GloFish zu
stoppen. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.
|
Tabelle:
Gentechnisch bearbeitete aquatische Spezies (FAO,
2003) |
|
Name |
Lateinischer
Name |
Anzahl
verwendeter Gentechn. Konstrukte |
|
Atlantic Salmon |
Salmo Salar |
6 |
Atlantischer Lachs |
|
Coho Salmon |
Oncorhynchus kisutch |
4 |
Silberlachs |
|
Chinook Salmon |
Oncorhynchus tshawytscha |
3 |
Königslachs |
|
Tilapia |
Oreochromis spp. |
12 |
Buntbarsch |
|
Medaka |
Oryzias latipes |
17 |
Japan-Reiskärpfling |
|
Zebra fish |
Brachydanio rerio |
14 |
Zebrafisch |
|
Common Carp |
Cyprinus Carpio |
14 |
Karpfen |
|
Channel catfish |
Ictalurus punctatus |
9 |
Getüpfelter Gabelwels |
|
African catfish |
Clarias gariepinus |
1 |
Wels |
|
Rainbow trout |
Oncorhyncus mykiss |
7 |
Regenbogenforelle |
|
Cutthroat trout |
Oncorhyncus clarki |
1 |
|
|
Goldfish |
Carrassius auratus |
5 |
Goldfisch |
|
Northern pike |
Esox lucius |
2 |
Hecht |
|
Loach |
Misgurnus anguillicaudatus |
2 |
Schlammpeitzger |
|
Sea bream |
Sparus aurata |
2 |
Goldbrasse |
|
Red sea bream |
Pagrus major |
1 |
Seebrasse |
|
Blunt snout bream |
Megalobroma amblycephala |
1 |
|
|
Nigorobuna |
Carrassius auratus grandoculis |
1 |
|
|
Walleye |
Stizostedion vitreum |
1 |
Amerikanischer Zander |
|
Brine shrimp |
Artemia franciscana |
1 |
Salinenkrebs |
|
Seaweed |
Laminaria japonica |
1 |
Brauner Seetang |
|
Sea Urchin |
Strongylocentrotus purpuratus |
1 |
Seeigel |
|
Abalone |
Haliotus rufescens |
1 |
Seeohr |
(Quelle: http://www.munichre.com/)
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