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08.03.2006
Interview - Ion Tiriac
(Euro - Sturio)
"Wichtiger
als Kaviar zu genießen
ist das Wissen um das Produkt und seine Herkunft"
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Zur Person
Ion Tiriac gilt als
reichster Rumäne mit einem Vermögen von 1 Milliarde US - $. Er hält
Beteiligungen an der ALLIANZ, METRO, DAIMLER – BENZ sowie der
eigenen Bank und Fluggesellschaft. Hierzulande kennt man ihn jedoch
eher in Verbindung mit Sport und Werbung. Sein Engagement im Bereich
der Störzucht ist wohl eher unbekannt.
Im März 2004 gelang erstmalig in Rumänien die erfolgreiche
Vermehrung des größten und edelsten Speisefischs der Welt. Dem
Beluga - Stör. Was Wissenschaftlern in Jahrzehnten nie gelungen war,
schafften Mitglieder der EURO – STURIO mit Unterstützung der TIRIAC
- Gruppe. |
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Als einem der
wichtigsten Förderer des Artenschutzprojektes ist es für Ion Tiriac
eine Selbstverständlichkeit auch den nächsten Schritt zu gehen:
Wiederaufbau der brachliegenden rumänischen Aquakultur mit
Neuausrichtung auf Störzucht um den Fangdruck auf die wildlebenden
Störbestände zu reduzieren und der Natur die Chance auf nachhaltige
Erholung zu geben. |
Interview
Sehr
geehrter Herr Tiriac, wir kennen Sie als erfolgreichen
Unternehmer in diversen Branchen, aber noch nicht als
Kaviarproduzenten. Dürfen wir fragen, wie Sie zu diesem
Thema gekommen sind ?
Ion Tiriac
: Das Projekt faszinierte mich wegen seines
Facettenreichtums. Es geht hier nicht nur um Kaviar sondern
auch um Artenschutz, zehntausende Arbeitsplätze und
Deviseneinnahmen in Milliardenhöhe für die rumänische
Volkswirtschaft.
Können
Sie das genauer erklären ?
Ion Tiriac:
Aquakultur boomt weltweit seit mehr als zwanzig Jahren und
ein Ende dieses Wachstums ist nicht absehbar. Rumäniens
Aquakultur hingegen liegt brach. Auf 500.000 Hektar könnten
wir 500.000 Tonnen Fisch im Wert von ca. 1 Milliarde Euro
produzieren. Stattdessen produzieren wir ca. 10.000 Tonnen
für 20 Mio. Euro.
Aber die
Produktion solcher Mengen muss auch vom Markt aufgenommen
werden.
Ion Tiriac:
Richtig, und genau hier liegt das Problem. Rumäniens
Teichwirtschaften sind noch stark auf Karpfen ausgerichtet,
die sich in solchen Mengen nicht verkaufen lassen. Also muss
man einen Fisch züchten, der ein ganz anderes Potential hat.
Und das ist der Stör. Rumänien erfüllt alle Voraussetzungen,
weltgrößte Störzuchtnation zu werden. Dass was Norwegen mit
Lachsen in den letzten 30 Jahren erreicht hat, wird Rumänien
mit Stör schaffen. Wie schon gesagt, Zehntausende
Arbeitsplätze, Deviseneinnahmen in Milliardenhöhe und damit
die Reduzierung des Fangdrucks auf die wildlebenden
Populationen.
Lässt
sich der Stör in Karpfenteichen halten ? Wir dachten, er
muss als Wanderfisch im Fluss und Meer leben.
Selbstverständlich eignet sich nicht jede
Karpfenteichwirtschaft für Störzucht. Fachleute aus
Deutschland haben aber in den letzten Jahren mindestens 15
Betriebe festgestellt, die auf Störzucht problemlos
umgestellt werden können. Das heißt, die Temperaturen
steigen im Sommer nicht zu stark an und ausreichend
Frischwasser kann zugeführt werden. Früher konnte man den
Stör nicht in Teichen halten, weil er nicht gefüttert werden
konnte. Als Urfisch der schon 250 Mio Jahre auf unserem
Planeten lebt, war er kaum an modernes Fischfutter zu
gewöhnen. Auf diesem Sektor wurde in den letzten Jahren aber
sehr viel geforscht und diese Ergebnisse - insbesondere aus
der deutschen Störforschung - stehen uns zur Verfügung.
Darüber hinaus werden wir nicht nur eine Sorte Stör züchten
sondern mehrere die jeweils verschiedene Charakteristika
aufweisen. Eine Störart eignet sich besser für die
Kaviarproduktion, eine andere für die Fleischproduktion. Der
Sterlett beispielsweise ist kein Wanderfisch und bildet
hervorragenden Kaviar schon nach 3 – 4 Jahren in freier
Natur aus.
Gibt es
denn geschmacklich keine Unterschiede zwischen Wildkaviar
und Zuchtkaviar ?
Ion Tiriac
: Der Geschmack des Kaviars ist unter anderem davon abhängig
was der Fisch frisst. Ein Hühnerei kann nach Fisch
schmecken, wenn die Hühner mit Fischmehl gefüttert wurden.
Ebenso verhält es sich mit den Eiern vom Stör. Hat der Fisch
bis zur Kaviarentnahme nur Trockenfutter gefressen, wird
auch sein Rogen „earthy“ schmecken. Diese Tatsache
berücksichtigen wir, indem wir die Fische 2 - 3 Monate vor
der Kaviarentnahme mit Naturfutter füttern. Deshalb sprechen
wir auch nicht von Zucht- sondern Naturkaviar, weil ein
Geschmacksunterschied zu Wildkaviar nicht festgestellt
werden kann.
Wie wir
wissen, gibt es mittlerweile viele Länder in denen ebenfalls
Störzucht vorangetrieben und auch schon Zuchtkaviar
produziert wird. Kommt Rumänien nicht zu spät ?
Ion Tiriac
: Zuchtkaviar vom Sibirischen und Amerikanischen Stör kommt
derzeit aus Italien, Frankreich und den USA. Kein Land der
Welt produziert bisher die Edelsorten: Beluga, Sevruga und
Ossetra. Darüber hinaus hatten wir vor 30 Jahren einen
Verbrauch von 2.000 Tonnen Kaviar. In 2003 wurden weniger
als 100 Tonnen gehandelt wovon die Aquakultur ca. 30 Tonnen
produzierte. Von einer ausreichenden Marktversorgung sind
wir also noch weit entfernt. Wir stehen erst ganz am Anfang
eines Zukunftsmarktes.
Das Problem bei der Kaviarproduktion ist aber die späte
Geschlechtsreife der Tiere, sodass man auf einen Gewinn aus
Kaviarproduktion sehr lange warten muss.
Ion Tiriac:
Wie schon gesagt, werden wir verschiedene Störe züchten.
Einige Arten tragen in freier Natur schon nach 3 - 4 Jahren
Kaviar, andere Arten brauchen dafür die Voraussetzungen
warmen Wassers über das ganze Jahr. Und auch hier bietet
Rumänien die besten Voraussetzungen wegen der Vielzahl
thermischer Quellen. Nicht dass Sie mich missverstehen. Wir
werden die Störe nicht in das Thermalwasser setzen. Aber
durch Wärmetauscher lässt sich die Energie entziehen und in
die Teiche ableiten.
Was überzeugt sie, dass Störzucht profitabel ist?
Die Logik. Wenn man mit Karpfen, Forellen und
Lachsen Geld verdient, wird man mit Stör erst recht Geld
verdienen, weil der Kaviar reiner Gewinnfaktor ist. Wir
müssen unsere Teichwirtschaften so bewirtschaften, dass die
Störfleischproduktion kostendeckend und rentabel ist und mit
Beginn der Kaviarernten die Gewinne überproportional
steigen.
Züchter aus Italien, Frankreich und USA vermelden aber keine
überproportionalen Gewinne sondern „nur" normale Renditen.
Ion Tiriac:
Deshalb wollen wir auch in Rumänien und nicht in West -
Europa Störe züchten. Störzucht ist Aquakultur. Aquakultur
ist so genannte Urproduktion. Hauptproduktionsfaktoren sind:
Land, Wasser, Arbeitskraft und Primärenergie ( Sonne, heiße
Quellen ). Diese Hauptproduktionsfaktoren stehen in Rumänien
noch einige Jahre günstiger zur Verfügung als in den von
Ihnen genannten Ländern. Das ist auch der Grund, weshalb das
Wachstum der Aquakultur weniger in den Industriestaaten
stattfindet als vielmehr in Ländern wie China, Vietnam oder
auch Afrika. Rumänien steht in Europa an letzter Stelle der
teichwirtschaftlichen Produktion. Wir haben aber mit dem
Stör die besten Möglichkeiten an die erste Stelle zu kommen.
Und das sowohl in der Aquakultur als auch in der Fischerei.
Heisst dass , Sie wollen zukünftig auch in Konkurrenz zu den
traditionellen Kavierproduzenten wie Russland und Iran
treten ?
Ion Tiriac:
Wenn Sie sich die Karte des Kaspischen Meeres anschauen,
wird Ihnen auffallen, dass der Iran als größter
Kaviarproduzent über keinen bedeutenden Fluss verfügt, der
in das Kaspische Meer fließt. Anders als in Russland ist man
dort gezwungen, die Störe aufwendig auf dem offenen Meer zu
fangen. Das gelingt nur, weil entsprechend große
Besatzmaßnahmen stattfinden. Wir haben folglich mit der
Donau das weitaus bessere Potential Wildkaviar zu erzeugen
als der derzeit größte Kaviarproduzent. Und dieses Potential
werden wir nutzen.
Mit welcher Sorte Kaviar beginnen Sie dann Ihre Produktion ?
Ion Tiriac:
Mit der teuersten und seltensten Sorte der Welt. Dem so
genannten „Goldenen Zaren - Kaviar." Anfang der siebziger
Jahre erhielt ich diese exklusive Delikatesse als
persönliches Geschenk des Schahs von Persien überreicht. Der
Goldene Zaren Kaviar stammt von Albino Sterlett - Stören und
sein Kaviar hat eine leuchtend goldgelbe Farbe. In freier
Natur sind diese Störe die seltensten Exemplare, weshalb ihr
Kaviar zu Preisen von mehr als 20.000 Euro pro kg gehandelt
wird. Wir haben Elterntierbestände dieses Störs und werden
erstmalig diese Rarität einem breiten Publikum anbieten
können. Dann aber zu gemäßigteren Preisen.
Wenn es Ihnen gelingt große Mengen Kaviar zu produzieren
werden aber die Preise für Kaviar fallen. Mit welchen
Kaviarpreisen kalkulieren Sie ?
Ion Tiriac:
Wenn wieder 2000 Tonnen Kaviar auf den Markt kommen, werden
wir selbstverständlich sinkende Preise haben. Da wir
verschieden Sorten produzieren, wird auch der Preis
unterschiedlich hoch sein. Doch da in unserer Kalkulation
jede Tonne Kaviar Reingewinn ist, machen wir auch noch guten
Profit bei Preisen zwischen 200 - 500 EUR pro kg.
Haben Sie sich ein Ziel gesteckt und wann ist dieses Ziel
erreicht?
In den kommenden Wochen beginnen wir mit der
Vermehrung von ca. 2.000.000 Jungstören der Art Sterlett.
Unter Berücksichtigung aller Unwägbarkeiten gehen wir davon
aus, daß mindestens die Hälfte davon die Geschlechtsreife
erlebt. Bei 500.000 weiblichen Stören und einer
Kaviarausbeute von 10 % pro Fisch erhalten wir somit in
2009/2010 ca. 50 Tonnen Kaviar.
Der italienische Mönch Niccolo Barsari, der von 1633 bis
1639 Nord - Rumänien besuchte, erwähnt, dass Fischer täglich
1.000 - 2.000 Störe nach Chillia ( nördliches Donau - Delta
) brachten, die von dort weiter nach Ungarn, Polen und
Konstantinopel exportiert wurden. Wahrscheinlich können wir
diese Zahlen in der Fischerei nie mehr realisieren, aber in
Aquakultur schon.
Und wenn wir in 10 Jahren 500 Tonnen Kaviar und 20.000
Tonnen Störfleisch produzieren, haben wir den Stör vor der
Ausrottung bewahrt, zehntausende Arbeitsplätze geschaffen,
zusätzliche Deviseneinnahmen in Milliardenhöhe erzielt, den
Gourmets dieser Welt eine Delikatesse erhalten und gemeinsam
etwas Geld verdient. Ich glaube an dieses Projekt,
investiere in die INTERNATIONAL CAVIAR CORPORATION und bin
überzeugt, all diese Ziele zu erreichen.
Herr
Tiriac, wir danken für dieses Gespräch.
© 2005
Aquakulturtechnik.de
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