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 31.08.2005

Interview - Roland Schröder
(Euro - Sturio
)


"Ich möchte auch zukünftig Kaviar zu Silvester genießen"

  

Zur Person

Während seines BWL - Studiums an der Westfälischen – Wilhelms – Universität in Münster sammelte Roland Schröder umfangreiche Erfahrungen im internationalen Bankgeschäft. Sowohl die schwerpunktmäßige Ausrichtung des Studiums (Banken) als auch seine jährlichen Praktika in den USA (New York, Chicago, Houston) sollten auf ein Berufsleben als Banker vorbereiten. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums in 1986 entwickelte sich seine berufliche Planung jedoch in eine gänzlich andere Richtung. Sein Onkel, ein pensionierter Manager eines deutschen Großkonzerns mit weit reichenden Netzwerkbeziehungen in die Nomenklatura der Warschauer Pakt Staaten ermöglichte dem jungen Diplomkaufmann den Einstieg in das Osteuropa – Geschäft.

Die interessantesten Verträge wurden mit rumänischen Staatsbetrieben abgeschlossen und Roland Schröder entwickelte sich zum Rumänienspezialisten. Von seinen Insiderkenntnissen profitierte das Wirtschaftsministerium NRW und so bekannte Unternehmen wie : HANIEL, RWE, VEW. 1993 erschloss Roland Schröder der ARAL den rumänischen Markt. Als geschäftsführender Gesellschafter der ARAL ROMANIA hatte er innerhalb von vier Jahren Deutschlands größte Tankstellengesellschaft in Rumänien etabliert. Der Verkauf seiner Anteile an die ARAL sollte 10 Jahre erfolgreiche Rumänienaktivitäten krönen und finanzielle Basis für eine Neuausrichtung seines beruflichen Werdegangs in den USA werden. Doch Rumänien lies ihn nicht los.

Interview

Aquakulturtechnik.de: Sehr geehrter Herr Roland Schröder vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt haben mit uns ein Interview zu führen. Wie uns bekannt ist, waren Sie früher Chef der ARAL in Rumänien. Wie kommt ein Ölmanager zum Fisch ?

Roland Schröder: Am 27.12.1998 las ich zum sonntäglichen Frühstück auf der Titelseite der BamS

„Kaviarverbot – sonst sterben die Störe aus.“

Da ich ein Kilo Beluga Kaviar im Kühlschrank hatte, welches zu Silvester mit rumänischen Geschäftspartnern gegessen werden sollte, hatte ich sofort einen direkten Bezug zu dieser Schlagzeile. Gleichzeitig stellte ich mir die Frage, weshalb niemand den Fisch züchtet, der die teuerste Delikatesse der Welt liefert.

Und wer konnte Ihnen diese Frage beantworten ?

Interessanterweise musste ich feststellen, dass zum Thema Stör nur sehr wenige kompetent Auskunft geben konnten. Zu den wenigen zählte der Begründer der deutschen Störforschung und Autor des einzigen deutschen Buches über den Stör, Herr Dr. Reichle sowie der mittlerweile verstorbene Prof. Dr. Lelek vom Senckenberg Institut in Frankfurt. Beide Wissenschaftler überzeugten mich mit ihrer pragmatischen Sichtweise des Problems und des Aufzeigens eines konkreten Lösungsweges zur Rettung der bedrohten Art.

Forschungen, Konferenzen, Strategiepapiere, Monitoringprogramme, Gesetzesänderungen, Aufklärungsmaßnahmen, etc. etc betrachteten beide als sinnvoll, aber nachhaltig gerettet werden kann der Fisch nur durch Störzucht die den Fangdruck auf die natürlichen Bestände reduziert.

Und beide überzeugten Sie dann, den Verein Euro – Sturio zu gründen ?

Nein, im Gegenteil. Beide rieten mir ab mich zu engagieren. Denn der Fisch lebt nicht nur im Wasser, sondern auch in einem undurchdringlichem Dschungel verschiedener Lehrmeinungen, politischer Einflüsse und wirtschaftlicher Interessen. Lassen Sie mich einige Beispiele nennen damit Ihre Leser das nachvollziehen können. Einige Wissenschaftler sind für künstliche Reproduktion und Besatzmaßnahmen, andere dagegen. Landwirtschaftsministerien sind zuständig für Fanglizenzen, Umweltministerien für Exportlizenzen und Gesundheitsministerien für Bescheinigungen der Seuchenfreiheit. Die Kaviarproduzenten schlachten die Fische und die Züchter benötigen lebende Zuchtstämme. Und das ganze wird dann noch gewürzt mit reißerischen Stories über die bösen Raubfischer und die kriminelle Kaviar – Mafia.

Kurzum, das Thema reizte mich.

Wie war es denn möglich, diesen Kompetenzendschungel ausgerechnet in einem Land wie Rumänien zu lichten.

Ich brauchte die Unterstützung von drei Leuten: Der rumänische Premierminister, der Landwirtschaftsminister und der Umweltminister mussten informiert und überzeugt werden. Alle lud ich in die deutsche Störforschung nach Bayern ein. Sowohl der Landwirtschaftsminister als auch der Umweltminister kamen und der Premier schickte seinen Schwiegersohn. Mit dieser Rückendeckung auf der einen und der Zustimmung der Washingtoner Artenschutzkonferenz auf der anderen Seite lässt sich auch der dichteste Dschungel lichten.

In 2004 gelang Ihnen dann erstmalig die künstliche Vermehrung von Beluga – Stören in der Donau. Sie behaupten, damit diese Störart vor der Ausrottung bewahrt zu haben. Ist dieser Anspruch nicht etwas hoch gegriffen ?

Nein. Und durch einen Vergleich wird es auch nachvollziehbar. Mit großem Aufwand werden die letzten 20 Acipenser Sturios die früher in Rhein , Elbe und Oder schwammen in Aquarien eines wissenschaftlichen Instituts aufgezogen. In der Hoffnung, dass sie vielleicht einmal geschlechtsreif werden. Den Donaustämmigen Belugas drohte das gleiche Schicksal. Die Ausrottung. In keinem Donauanrainerstaat stehen Zuchtstämme zur Verfügung und die Zahl der jährlich gefangenen Beluga-Weibchen sank in den letzten Jahren auf 20 – 50 Exemplare. Es ist also nur eine Frage der Zeit bis das letzte Weibchen gefangen wird. Mit unserer Vermehrungsaktion im März 2004 schufen wir 2.000.000 befruchteter Eier. Der Großteil der Larven und Fingerlinge wurde in die Donau zurückgesetzt und in Teichwirtschaften schwimmen heute nachweislich 100.000 junge Belugas. Ein ausreichend großer Bestand an genetischem Material für zukünftige Generationen.

Aber dieser Bestand stammt nur von einem Weibchen und zwei Männchen mit dem Risiko der Inzucht.

Sehr richtig erkannt. Genau deshalb sollte jedes Jahr künstlich vermehrt werden, solange man in der Donau noch Belugas wild fangen kann um die genetische Vielfalt zu erhalten. Seltsamerweise gibt es aber Wissenschaftler, die uns schreiben, dass künstliche Besatzmaßnahmen NOCH nicht notwendig sind, weil man GLAUBT und HOFFT, dass unterhalb des Staudamms „Eisernes Tor“ noch natürliche Laichgründe existieren.

Und was glauben Sie?

Glaube und Hoffnung gehören in die Kirche aber nicht in wissenschaftliche Institute. Und wenn man behauptet, dass künstliche Reproduktion noch nicht notwendig ist, muss man hinterfragen, wann sie notwendig wird ? Wenn das letzte Weibchen gefangen ist und die genetische Vielfalt dann wirklich nur noch von einem Elternpaar abhängt ?

Dankeschön für Ihre Informationen zum Thema Artenschutz. Lassen Sie uns aber nun zum Thema Störzucht kommen. Wie beurteilen Sie die Chancen, dass sich Störzucht zu einem rentablen Wirtschaftszweig entwickeln wird ?

Welche Störart meinen Sie ? Wenn wir vom Stör sprechen ist damit Familie „Stör“ gemeint. Es gibt mehr als 25 verschiedene Arten von denen ca. 10 kommerziell interessant sind. Einige eignen sich für die Kaviarproduktion, andere für die Speisefischproduktion, wieder andere für die Aquaristik. Einen Hundezüchter fragen Sie ja auch ob er Dackel oder Dobermänner züchtet?

Wir meinen die Arten, die aktuell in Störzuchtbetrieben schwimmen.

Das sind primär die Arten Acipenser Baeri und Acipenser Transmontanus. Diese Störe gehören aber nicht zu den BIG 3 der „Kaviarfische“ ( Hausen, Waxdick und Sternhausen) mit den weltberühmten Kaviarsorten: Beluga, Ossetra, Sevruga. Störzüchter in Frankreich, Italien und USA züchten diese Fische deshalb, weil von dieser Art Zuchtstämme zur Verfügung stehen. Nicht weil diese Fische unbedingt die beste Lösung für die Kaviar- und Fleischproduktion sind. Trotzdem sind die Züchter mit ihren Erfolgen zufrieden und das beweist, dass Störzucht lukrativ sein kann wenn man sein Handwerk beherrscht und sich an einige Grundregeln hält.

Welche Grundregel meinen Sie ?

Die Grundregel, die jeder angehende Fischzuchtmeister in den ersten Tagen der Ausbildung lernt. Aquakultur ist so genannte Urproduktion mit den Hauptproduktionsfaktoren: Boden, Wasser, Arbeitskraft und Primärenergie (Sonnenkraft). Stehen diese Hauptproduktionsfaktoren günstig zur Verfügung und produziere ich ein teures, hochwertiges Produkt für einen existierenden Markt mache ich automatisch Gewinne.

Sie sind also Befürworter von Teichwirtschaften mit durchfließendem Wasser und weniger von Kreislaufanlagen?

Nicht generell, denn wir haben einige Mitglieder die sehr erfolgreich Kreislaufanlagen betreiben. Aber Kreislaufanlagen sind Intensivzuchtanlagen die in die Hände von engagierten und erfahrenen Profis gehören die an 365 Tagen im Jahr präsent sein müssen. Selbst ein Konzern wie RWE / RHEINBRAUN musste erkennen, dass bei der Störzucht viel Technik nicht automatisch viel (Gewinn) bringt. Die Limnotherm – Anlage stellte folglich in 2000 ihre Störzucht ein und unser Verein erhielt einen Großteil der Technik als Spende geschenkt.

Die Hersteller von Kreislaufanlagen behaupten aber, dass man mit Hilfe der Kreislauftechnik hochrentabel Störe züchten und Kaviar produzieren kann.

Kreislaufanlagenbetreiber verzichten auf die billigen naturgegebenen Hauptproduktionsfaktoren, in der Hoffnung, dass die schnellere Kaviarausbildung im warmen Wasser die Kostennachteile wettmacht. Wir haben ja nichts dagegen wenn das gelingt. Der Markt ist groß genug. Aber dieser Beweis steht noch aus und gegenwärtig regiert auch hier Glaube und Hoffnung. Wohlgemerkt gilt das beim Einsatz von Kreislaufanlagen zwecks Produktion von Stör und Kaviar. Wie die Rentabilität bei anderem „fish & seafood“ aussieht entzieht sich meiner Kenntnis.

Was macht Sie so sicher, dass Ihre Strategie zum Thema Störzucht und Kaviarproduktion die bessere ist?

Erlauben Sie mir, dass ich Sie korrigiere. Diejenigen von denen Sie sprechen haben keine Strategie zum Thema Störzucht. Diese Unternehmen instrumentalisieren den Stör und seinen Kaviar zum Verkauf ihres Engineerings für Abwasserbehandlung. Wir aber wollen keine Kreislaufanlagen verkaufen. Wir wollen hochrentable Störzuchtbetriebe aufbauen. Selbstverständlich mit Einsatz modernster Technik auch für die entstehenden Abwässer und der Nutzung von warmem Wasser.

Wie dürfen wir uns ganz konkret Ihr Projekt vorstellen ?

Unser Ziel ist es, in Rumänien eine Vielzahl von Störzuchtbetrieben aufzubauen um folgende Nutzeffekte zu erzielen :

Für den Artenschutz: Reduzierung des Fangdrucks auf die natürlichen Bestände, Für die Wissenschaft: Finanzierung weiterer Forschungen und Besatzaktionen, Für die Bevölkerung : Schaffung sicherer und gut bezahlter Arbeitsplätze für die ärmsten Bevölkerungsschichten in Europa – den Fischern entlang der Donau, Für Rumäniens Volkswirtschaft: Zusätzliche Deviseneinnahmen weil das Land zukünftig mehr Fisch exportieren als importieren wird und last but not least, Für den Aktionär: Überdurchschnittliche Renditen verbunden mit der Sicherheit, dass wir weniger in teure Technik als vielmehr in Grund und Boden investieren. Also in Teichwirtschaften die gegenwärtig noch so günstig zu erwerben sind wie in Polen vor 5 – 8 Jahren. Geht man dann von einem vergleichbaren Wertsteigerungsprozess dieser derzeit brachliegenden Nutzflächen aus, hält sich das Risiko für den Investor in überschaubaren Grenzen.

Und weshalb begannen Sie Ihre Aktivitäten mit einem Verein und nicht sofort als kommerziell agierendes Unternehmen ?

Wie ich zu Anfang des Interviews schon bemerkte, gab es sehr viele Widerstände die überwunden werden mussten. Wir wollen Fische züchten, die unter Artenschutz stehen und haben es teils mit Wissenschaftlern zu tun, die Gegner der Aquakultur sind. Entsprechend werden Ministerien tendenziös unterrichtet, die ihrerseits Fanggebiete ausschreiben, Lizenzen erteilen und Dokumente abstempeln. In einem Verein können Sie Gleichgesinnte sammeln, Gegenpositionen aufbauen um dann auf hohem Niveau zu argumentieren. Mit dem Erfolg der ersten erfolgreichen Belugavermehrung in 2004 schafften wir dann den Durchbruch. Damit war der Weg frei, die Kritiker zogen sich zurück, einige ließen sich pensionieren und der kommerziellen Entwicklung der Störzucht in Rumänien steht nun nichts mehr im Wege.

In welcher Form werden die Mitglieder der Euro–Sturio an dieser Entwicklung teilhaben ?

Als Geste des Dankes für unsere Aktivitäten übereignete 2002 der damalige rumänische Landwirtschaftsminister Ilie Sârbu 8697 Hektar an den Regierungsbezirk Ialomita. Gemeinsam mit dem Regierungsbezirk wurde eine Aktiengesellschaft gegründet die als Vermögen 540 Hektar Teichflächen besitzt. 47 % der Gesellschaft gehören den Vereinsmitgliedern als Aktionäre. Darüber hinaus hatten wir mit der ersten erfolgreichen Belugavermehrung in 2004 ein gigantisches Medienecho in Rumänien. Über Monate wurde in allen Medien darüber berichtet. Das heißt, dutzende von Fischzüchtern sind auf das Thema aufmerksam geworden und beginnen, ihre Karpfenteiche mit Stören zu besetzen. An einigen sind unsere Mitglieder direkt beteiligt und gemeinsam mit der TIRIAC–Gruppe werden diese Betriebe modernisiert und aktiviert. Die Einbindung dieser Teichwirtschaften in eine Organisationsstruktur für die Umsetzung des Gesamtkonzeptes ist bis Mitte September 2005 abgeschlossen. Dann werden wir Sie gerne genauer darüber informieren inwieweit sich Engagement für den Artenschutz auch kommerziell lohnt.

Also ist es richtig, dass Ion Tiriac in das Projekt einsteigen wird ?

Genau genommen ist er schon eingestiegen. Innerhalb von drei Monaten schuf die Tiriac–Gruppe bessere Grundlagen für Störzuchtbetriebe als die staatlichen Institute in den letzten 30 Jahren.

Können Sie das konkretisieren ?

Die Tiriac–Gruppe verfügt über das beste natürliche Störfanggebie: 60 km Donauabschnitt beginnend im Schwarzen Meer wo die Störe in das Flusssystem einsteigen, dazugehörige Fanglizenzen, Kaviarfabrik, geschulte Fischer, Vermehrungs- und Brutstation im Donau – Delta, Aufzuchtstation außerhalb Bukarests, Stauseen die gegenwärtig zu einer 200 Hektar Teichwirtschaft umgebaut werden. Geschultes Personal und Zuchtstämme der wichtigsten Störarten. Last but not least ist Ion Tiriac Gesellschafter der METRO in Rumänien. Kurzum ein breites und sicheres Fundament um in Rumänien eine Störzuchtindustrie aufzubauen. Oder anders ausgedrückt: Eine perfekte Wertschöpfungskette wie sie derzeit von keinem anderen Unternehmen dargestellt werden kann.

Wie konnten Sie Herrn Tiriac überzeugen sich zu engagieren ?

Es bedurfte keiner großen Überredungskunst. Erstens kennen wir uns schon seit meiner Zeit als ich ihm Aral verkaufte und zweitens hat er ein Gespür für gute Geschäfte. Mit einem Vermögen von 600 Mio. $ gilt er als einer der erfolgreichsten Geschäftsleute in Rumänien und von seiner Erfahrung profitieren ALLIANZ, METRO, DAIMLER BENZ um nur die größten zu nennen.

Über welche Größenordnungen sprechen Sie für Ihr Projekt wenn Sie Vergleiche mit diesen Großkonzernen heranziehen ?

Rumänien verfügt über 500.000 Hektar Teichflächen. Eine anerkannte Produktionskennziffer in der extensiven Teichwirtschaft lautet : 1 Hektar = 1 Tonne Fisch. Das heißt, Rumänien könnte 500.000 Tonnen Fisch im Wert von 1 Milliarde $ produzieren. Tatsächlich werden aber nur 20.000 Tonnen Fisch produziert. Diese brachliegende Aquakultur gilt es wiederaufzubauen. Norwegen und Chile produzieren jährlich Lachse im Wert von fast einer Milliarde $. Störzucht in Rumänien hat ein vergleichbares Potential. Diese Größenordnung und ihre positiven Auswirkungen auf Arbeitsplätze, Schaffung eines neuen volkswirtschaftlichen Produktionssektors mit zusätzlichen Deviseneinnahmen, verbunden mit dem Ziel die Störbestände nachhaltig wiederaufzubauen veranlassten Ion Tiriac mit großem Engagement einzusteigen.

Sollten Sie es dann schaffen, 100.000 Tonnen Stör und möglicherweise einige hundert Tonnen Kaviar zu produzieren wird es aber sicherlich zu einem Preisrückgang beim Kaviar kommen. Mit welchen Preisen rechnen Sie denn zukünftig ?

Für verschiedene Kaviarsorten wird es unterschiedliche Preise geben. Es muss nach Störart und Herkunft unterschieden werden. Wildkaviar aus freier Natur vom Hausen, Sternhausen und Waxdick wird dabei weiterhin der teuerste sein. Beim Zuchtkaviar wird man unterscheiden ob er aus extensiven Teichwirtschaften oder intensiv betriebenen Kreislaufanlagen kommt und von welchem Stör er stammt. Danach richtet sich dann auch der Preis. Ganz konkret kalkulieren wir wie folgt. Wenn Kaviar wieder in den Mengen verzehrt werden soll, wie vor 30 Jahren, muss er in Restaurants zu akzeptablen Preisen angeboten werden. 25 Gramm Kaviar als Vorspeise dürfen dann nicht mehr als 10 – 20 Euro kosten. Das bedeutet, dass ein Küchenchef für den Kaviar ca. 200 – 400 Euro / kg bezahlen wird. In diese Richtung wird sich der Kaviarpreis entwickeln.

Und bei diesen niedrigen Preisen lohnt es sich noch Störe zu züchten ?

Wenn ein Karpfenzüchter Geld verdient, wird ein Störzüchter erst recht Geld verdienen. Ein guter Teichwirt kann so arbeiten, dass mit der Speisefischproduktion von Stören alle Kosten gedeckt werden und auch noch die branchenübliche Rendite von 5 – 10 % übrig bleibt. Jedes erzeugte Kilogramm Kaviar ist dann Zusatzgewinn. Das heißt, er macht auch noch Gewinne wenn die Preise für Kaviar noch weiter sinken.

Wenn das so einfach wäre, muss man aber fragen, warum es noch nicht vielmehr Störzüchter gibt.

Weil erstens eine gesicherte Lieferung befruchteter Störeier bis heute nicht gewährleistet ist, zweitens den traditionellen Fischzüchtern das Anfütterungs Know–How fehlt, drittens die Futtermittelindustrie noch kein perfektes Futter für die verschiedenen Störarten anbietet und viertens niemand über Zuchtstämme der kommerziell interessantesten Störarten verfügt und deshalb Störbrut bzw.- Jungstöre schlicht und ergreifend derzeit noch zu teuer sind. Nur wenn Sie jedes Jahr gesichert neue Generationen züchten, lässt sich eine kontinuierliche Produktion mit festen Abnehmern aufbauen. Unsere Mitglieder verfügen über Zuchtstämme der sieben wichtigsten Störarten und folglich werden wir verschiedene Störe für verschiedene Zwecke, Kunden und Märkte züchten.

Lassen Sie uns abschließend noch einmal auf Ihre Vorgänger eingehen, die hier zum Thema Störzucht und Kaviar schon zu Wort gekommen sind. Für einen Außenstehenden ist es schwer nachvollziehbar, weshalb die Kompetenzen nicht gebündelt werden. Offensichtlich kennen sich einige beim Thema Finanzierung aus, andere beim Thema Kreislaufanlagentechnik und Ihre Mitglieder beherrschen die Störzucht in Teichwirtschaften.

Es ist nicht ganz richtig, wenn Sie meinen, dass es keine Zusammenarbeit gibt. Ganz im Gegenteil. Bei UFT sind wir mit einem geringen Betrag investiert und mit CC (Caviar Creator) gibt es wirtschaftliche Beziehungen. CC kauft von uns und unseren Mitgliedern verschiedene Störarten, Hälterungskapazitäten und profitiert vom Know–How einiger Mitglieder. Und soweit ich weiß, wird auch der in Fulda produzierte Kaviar von CC vermarktet. Wenn Sie mich fragen, wünsche ich allen die derzeit diesen jungen Markt der Störzucht bearbeiten viel Erfolg. Denn Konkurrenz belebt das Geschäft und der Stör als edler Speisefisch muss wieder zurück in das Bewusstsein des Verbrauchers und der Züchter. Darüber hinaus wäre das Scheitern von Störzucht Wasser auf die Mühlen der Wissenschaftler, die schon seit jeher Gegner der Aquakultur sind und die Familie „Stör“ lieber als exklusives Forschungsobjekt und weniger als Nutzfisch sehen. Ich möchte , wie zu Beginn dieses Interviews schon erwähnt, auch zukünftig Kaviar zu Silvester genießen und deshalb sollten wir alle daran arbeiten Störzuchtprojekte zum Erfolg zu führen.

 Wir bedanken uns für das Interview.


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