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Interview
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Dr. Birgit Schmidt-Puckhaber
Interview mit
Frau Dr. Birgit Schmidt-Puckhaber am
11.12.2004
über die Euro Tier 2004 und die Zukunft der Aquakultur in
Deutschland
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Dr. Birgit Schmidt-Puckhaber
Ist
promovierte Agraringenieurin, hat in Göttingen
Agrarwissenschaften studiert und im Institut für
Tierzucht und Haustiergenetik promoviert.
Projektleitung Aquakultur bei
der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft e.V.
und Geschäftsführung des DLG - Fachausschusses
Fischzucht und -haltung. |
Sehr geehrte Frau Schmidt-Puckhaber,
vielen Dank, dass Sie sich bereit erklärt
haben mit uns ein Interview zu führen.
Die
EuroTier 2004 ist nun vorbei. Die Aquakultur hat dieses Jahr
einen deutlich größeren Anteil gehabt und gleichzeitig ist
das Aquakultur Forum dieses mal förmlich aus allen Nähten
geplatzt. Wo liegen die Gründe für dieses Interesse bei den
Besuchern?
Ja, wir konnten die
Ausstelleranzahl im Aquakulturbereich verdoppeln und die
Besucherzahl verdreifachen, ein deutlicher Trend gemessen an
der EuroTier 2002, der Premiere für Aquakultur auf der
EuroTier.
Die erfreulich hohe
Besucherzahl hat sicherlich mehrere Gründe. Zum einen hat es
sich herumgesprochen, dass die Vorträge im Forum Aquakultur
sehr markt- und praxisnah erarbeitet sind und in vielen
Fällen auch von Praktikern gehalten werden. Zum anderen
versuchen wir natürlich durch unsere DLG Facharbeit zwischen
den Ausstellungen Türen und Tore zu finden, die es auf der
Plattform EuroTier aufzustoßen gilt.
Außerdem waren die
führenden Futtermittelfirmen und Technologen als Aussteller
präsent. Es zeigt sich immer wieder, dass auch im
Internetzeitalter ein gesprochenes Wort und ein direkter
Gesprächskontakt einen hohen Stellenwert einnimmt.
Welche
Themen sind im Bereich der Aquakultur dieses Jahr besonders
gefragt?
In erster Linie
befassen sich die Fischerzeuger mit der verbraucher- und
marktorientierten Platzierung ihrer Produkte in ihren
Regionen, um dem Preisdruck von außen standhalten zu
können. Weitere Themen sind sicherlich Betriebssicherheit,
die bessere Ausnutzung der Produktionsfaktoren Wasser und
Futter und die Futtermittelsicherheit. Immer wieder kam im
Technologiebereich die Frage nach Energieveredelung. Ist die
Energienutzung von Biogasanlagen für die Aufzucht
aquatischer Organismen sinnvoll und rentabel?
Glauben
Sie, dass die Nachfrage nach Produkten aus der Aquakultur in
den nächsten Jahren noch weiter zunehmen wird? Und wird
damit dann auch der Stellenwert der Aquakultur in
Deutschland steigen?
Ja, die Nachfrage
wird steigen und es ist eine echte Herausforderung für uns
alle, dafür zu sorgen, dass die nachgefragten
Aquakulturprodukte auch hier produziert und erfolgreich
vermarktet werden und nicht importiert werden müssen. Hier
ist in erster Linie Verbraucheraufklärung angezeigt
transparente Produktion. Da können auch die Medien helfen,
wie dieses Internetportal oder das Fischmagazin es tun.
Fisch ist ein köstliches Produkt und in seiner Vielfalt
nicht zu überbieten. Hier gilt es neue Käufersegmente
aufzuschließen und zu begeistern.
Man hat
den Eindruck, dass die Aquakultur, insbesondere die
Kreislauftechnik, in Deutschland an den fehlgeschlagenen
Großprojekten zu leiden hat. Was muss passieren, dass dieses
negative Image abgelegt werden kann.
Eines vorweg:
Aquakultur wird oft mit Kreislauftechnik gleichgesetzt
bezieht aber die gesamte traditionelle Teichwirtschaft mit
ein. Die Relation mit Blick auf die Jahresproduktion liegt
bei ca. 40 000 Tonnen (Forelle und Karpfen in 2002) zu ca.
500 t Fisch erzeugt in Kreislaufanlagen im Jahr 2002. Einige
Kreislaufanlagen standen zu stark im Rampenlicht, weil die
einen erfolgreich produziert haben ohne erfolgreich zu
vermarkten und die anderen nun erfolgreich vermarkten ohne
bislang nennenswert produziert zu haben.
Erst wenn Erzeugung
und Vermarktung Hand in Hand gehen, ist auch
Wirtschaftlichkeit absehbar und dann ... klappt´s auch mit
dem Image.
Was
glauben Sie, wird sich langfristig durchsetzen, kleine
Familienbetriebe oder doch eher industrielle Großprojekte?
In der Fischzucht
weht, wie auch in anderen landwirtschaftlichen Bereichen,
seit Jahren ein scharfer Wind. Laut Jahresbericht der
deutschen Fischwirtschaft 2003 umfasst der Wirtschaftszweig
Binnenfischerei 2002 noch 1100 Haupterwerbsbetriebe (2000
waren es 1200) und ca. 23 000 Nebenerwerbsbetriebe (2000
noch 25 000). Ich hoffe, dass wir die Zahl der
Familienbetriebe halten können. Hier ist Wertevermittlung
gefragt, um die Verbraucher vom Discounter auch einmal in
die Direktvermarktung der Fischzüchter zu bewegen. Ich
glaube, dass es immer beide Varianten geben wird. Den
direktvermarktenden Familienbetrieb und den Großproduzenten,
unabhängig von der Produktionsweise, Kreislauf oder
Durchlaufanlage.
In den
Medien wird nicht gerade positiv über das Großprojekt in
Demmin von Caviar Creator berichtet. Wie ist Ihrer Meinung
nach dieses Projekt zu bewerten?
Ich möchte und
könnte gar keine Bewertung dieses Projektes abgeben. Es sind
schon so viele Hintergrundberichte über Caviar Creator zu
lesen gewesen, dass ich mich hier nicht auch noch
anschließen möchte. Für die weitere Entwicklung der Branche
Kreislauftechnik wünsche ich mir allerdings, dass die CC
Produktion von Stör und Kaviar am Standort Demmin und
anderswo mit den Vermarktungserfolgen Schritt halten kann.
Wir haben
von Herrn Koch-Bodes schon gehört, dass sich die Aquakultur
mit Kreislauftechnik noch beweisen muss. Herr Quantz meinte
auch, dass noch ein gewisser Forschungsbedarf besteht. Warum
wird diese Forschung nicht konsequent betrieben, damit
derartige Flopps, wie Sie in der Vergangenheit passiert
sind, nicht immer wieder passieren?
Insider wissen, all
diese Flops haben eine eigene Geschichte und es wäre zu
einfach, die Gründe nur in der Technologie zu suchen. Da die
Forschungsgelder derzeit in nur begrenztem Umfang zur
Verfügung stehen, ist der Weg der gemeinsamen Projektierung
von großen Anlagen wünschenswert.
Sie waren
ja auf der EuroTier 2004 praktisch im Dauereinsatz und im
Dauergespräch mit den vielen Ausstellern und Teilnehmern des
Eurotier Forums. Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit?
... wie wichtig es
ist, ein gemeinsames Ziel zu haben:
Nämlich
Aquakulturprodukte von hoher Qualität zu erzeugen und einen
fairen Preis zu erzielen, ob nun aus Teichwirtschaften,
Rinnen- oder Kreislaufanlagen.
... wie wichtig es
ist, einen Treffpunkt für die gesamte Branche zu haben!
Vielen Dank für das Interview und wünschen
Ihnen ein friedvolles und gesegnetes Weihnachtsfest.
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