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Interview
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Peter Koch-Bodes
Interview mit Herrn Peter Koch-Bodes am
15.10.2004
über Chancen und Risiken der Aquakultur
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Peter Koch-Bodes
Vorsitzender von
"Der Fischfachhandel" im Bundesverband des
Deutschen Lebensmittelhandels
e.V und Ausrichter der Fish International in
Bremen. |
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Sehr geehrter Herr Koch-Bodes,
vielen Dank dafür, dass Sie sich bereit
erklärt haben mit uns ein Interview zu führen.
Diverse Aquakulturprojekte mit
Kreislauftechnik sind in Deutschland Pleite gegangen,
befinden sich in der Insolvenz oder stehen kurz davor.
Welche Gründe kann dies haben und welche Chancen räumen Sie
der Aquakultur in Deutschland in Zukunft ein?
Insolvenzen sind meistens auf
falsche Konzepte oder Unternehmensentscheidungen
zurückzuführen, diese sind von Außenstehenden schwer zu
beurteilen. Grundsätzlich sollte man Aquakulturprojekte von
der wirtschaftlichen Seite aus prüfen. Wenn diese stimmt,
kommen als positive Aspekte die ökologischen Nebeneffekte
dazu.
Der Handel verlangt zwar
immer die beste Qualität, kauft dann aber in den meisten
Fällen über den billigeren Preis ein.
Die Aquakultur - hier meine
ich die geschlossene Kreislauftechnik - hat in Deutschland
nur eine Chance wenn es ihr gelingt Nischenprodukte zu
produzieren, die in anderen Ländern nicht, oder nicht
günstiger produziert werden können.
Die Kavierzucht in Demmin von Caviar Creator
ist das aktuellste Aquakulturprojekt mit hohen Erwartungen
der Investoren an die Gewinne. Halten Sie diese Entwicklung
für sinnvoll? Sollten nicht erst Erfahrungen mit kleinen
Kreislaufanlagen gesammelt werden?
Ich hoffe für die weitere
Entwicklung der Aquakultur in Deutschland, das dieses
Projekt nicht auch, wie schon andere, zu einem Flop wird.
Hat die Aquakultur mit Kreislauftechnik in
Deutschland überhaupt eine Chance gegen die traditionelle
marine Fischwirtschaft bzw. Teichwirtschaft im Binnenland?
Hier sollte es heißen nicht
gegen die traditionelle, sondern mit der marinen
Fisch-bzw.Teichwirtschaft. Meiner Ansicht nach hat die
Aquakultur eine Chance, wenn es gelingt, das Fachwissen der
jahrhunderte alten Teich- und Fischwirtschaft mit den
neuesten Technologien zu kombinieren.
Wo steht die Aquakultur in Deutschland im
Vergleich zum Ausland?
Die Aquakultur hat auf Grund
der geographischen Lage bisher keine große Bedeutung
erlangt.
Welche Bereiche der Aquakultur wurden noch
nicht ausreichend gewürdigt? Wo besteht Handlungsbedarf?
Diese Frage ist sehr schwer
zu beantworten: Ich meine, das auf diesem Gebiet viele
Bereiche überhaupt noch nicht erforscht sind. Insbesondere
welche Synergieeffekte zu erzielen sind, die sich auch
wirtschaftlich und wissenschaftlich nutzen lassen: z. B.
Lösung der Futterfrage, Algen, Verwertung und Aufbereitung
der Abfallstoffe etc. .
Würden Sie Investoren raten in Projekte der
Aquakultur zu investieren und mit welcher Aussicht?
Die Projekte müssen noch
beweisen, das sie nach der Anlaufphase ohne weitere
Anschubfinanzierungen rentabel sind. Dann besteht auch die
Möglichkeit, darin zu investieren.
In den Regionen in denen traditionell die
Küsten und Hochseefischerei beheimatet ist herrscht eine
hohe Arbeitslosigkeit. Stellt die Aquakultur grundsätzlich
eine Alternative dar, hier wieder nachhaltige Arbeitsplätze
im Fischbereich zu schaffen?
Man sollte versuchen die
vorhandene positive Einstellung der Bevölkerung zum Fisch in
diesen Gebieten zu nutzen, um andere Arbeitsplätze im
Fischbereich zu schaffen.
Was können die Verbände der Fischwirtschaft
im Bereich der Aquakultur tun? Fehlt eine ausreichende
Kommunikation?
Von Seiten der Verbände
sollte den Produzenten immer wieder deutlich gemacht werden,
dass die Fischwirtschaft und der Verbraucher ein reines und
ehrliches Produkt wünscht. Die Aquakultur darf nicht noch
mehr in den Ruf der Massentierhaltung kommen.
Abschließend noch die Frage nach Ihrer
Zukunft. Haben Sie irgendwann einmal genug von der
Fischwirtschaft oder bleiben Sie dem Fisch treu?
Ich bin mit Fisch
aufgewachsen und werde auch mit ihm alt werden!
Wir bedanken uns für dieses Interview und
wünschen Ihnen, dass Sie dem "Fisch" noch lange erhalten
bleiben.
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